Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

Page 125

einmal in's Herz,
der da sprach: "es sind die Pharisäer." Aber man verstand ihn nicht.

Die Guten und Gerechten selber durften ihn nicht verstehen: ihr Geist
ist eingefangen in ihr gutes Gewissen. Die Dummheit der Guten ist
unergründlich klug.

Das aber ist die Wahrheit: die Guten _müssen_ Pharisäer sein, - sie
haben keine Wahl!

Die Guten _müssen_ Den kreuzigen, der sich seine eigne Tugend
erfindet! Das _ist_ die Wahrheit!

Der Zweite aber, der ihr Land entdeckte, Land, Herz und Erdreich
der Guten und Gerechten: das war, der da fragte: "wen hassen sie am
meisten?"

Den _Schaffenden_ hassen sie am meisten: den, der Tafeln bricht und
alte Werthe, den Brecher - den heissen sie Verbrecher.

Die Guten nämlich - die _können_ nicht schaffen: die sind immer der
Anfang vom Ende:-

- sie kreuzigen Den, der neue Werthe auf neue Tafeln schreibt, sie
opfern _sich_ die Zukunft, - sie kreuzigen alle Menschen-Zukunft!

Die Guten - die waren immer der Anfang vom Ende. -


27.

Oh meine Brüder, verstandet ihr auch diess Wort? Und was ich einst
sagte vom "letzten Menschen"? - -

Bei Welchen liegt die grösste Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es
nicht bei den Guten und Gerechten?

Zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten! - Oh meine Brüder,
verstandet ihr auch diess Wort?


28.

Ihr flieht von mir? Ihr seid erschreckt? Ihr zittert vor diesem Worte?

Oh meine Brüder, als ich euch die Guten zerbrechen hiess und die
Tafeln der Guten: da erst schiffte ich den Menschen ein auf seine hohe
See.

Und nun erst kommt ihm der grosse Schrecken, das grosse Um-sich-sehn,
die grosse Krankheit, der grosse Ekel, die grosse See-Krankheit.

Falsche Küsten und falsche Sicherheiten lehrten euch die Guten; in
Lügen der Guten wart ihr geboren und geborgen. Alles ist in den Grund
hinein verlogen und verbogen durch die Guten.

Aber wer das Land "Mensch" entdeckte, entdeckte auch das Land
"Menschen-Zukunft". Nun sollt ihr mir Seefahrer sein, wackere,
geduldsame!

Aufrecht geht mir bei Zeiten, oh meine Brüder, lernt aufrecht gehn!
Das Meer stürmt: Viele wollen an euch sich wieder aufrichten.

Das Meer stürmt: Alles ist im Meere. Wohlan! Wohlauf! Ihr alten
Seemanns-Herzen!

Was Vaterland! _Dorthin_ will unser Steuer, wo unser _Kinder-Land_
ist! Dorthinaus, stürmischer als das Meer, stürmt unsre grosse
Sehnsucht! -


29.

"Warum so hart! - sprach zum Diamanten einst die Küchen-Kohle; sind
wir denn nicht Nah-Verwandte?" -

Warum so weich? Oh meine Brüder, also frage _ich_ euch: seid ihr denn
nicht - meine Brüder?

Warum so weich, so weichend und nachgebend? Warum ist so viel
Leugnung, Verleugnung in eurem Herzen? So wenig Schicksal in eurem
Blicke?

Und wollt ihr nicht Schicksale sein und Unerbittliche: wie könntet ihr
mit mir - siegen?

Und wenn eure Härte nicht blitzen und scheiden und zerschneiden will:
wie könntet

Last Page Next Page

Text Comparison with The Case Of Wagner, Nietzsche Contra Wagner, and Selected Aphorisms.

Page 1
24) that he never attacked persons as persons.
Page 4
The statement in question was to the effect that many long years before these pamphlets were even projected, Nietzsche's apparent _volte-face_ in regard to his hero Wagner had been not only foreshadowed but actually stated in plain words, in two works written during his friendship with Wagner,--the works referred to being "The Birth of Tragedy" (1872), and "Wagner in Bayreuth" (1875) of which Houston Stuart Chamberlain declares not only that it possesses "undying classical worth" but that "a perusal of it is indispensable to all who wish to follow the question [of Wagner] to its roots.
Page 5
xi.
Page 7
These discords are everywhere apparent nowadays.
Page 14
{~HORIZONTAL ELLIPSIS~} --But you will not listen to me? You _prefer_ even the _problem_ of Wagner to that of Bizet? But neither do I underrate it; it has its charm.
Page 15
--In many cases of woman's love, and perhaps precisely in the.
Page 22
Enough! Enough! I fear that, beneath all my merry jests, you are beginning to recognise the sinister truth only too clearly--the picture of the decline of art, of the decline of the artist.
Page 24
Wagner's art presses with the weight of a hundred atmospheres: do but submit, there is nothing else to do.
Page 26
It is not Corneille's public that Wagner has to consider, it is merely the nineteenth century.
Page 28
Everything that Wagner _can_ do, no one will ever be able to do after him, no one has ever done before him, and no one must ever do after him.
Page 29
"--What does Elsa stand for? But without a doubt, Elsa is "the unconscious _mind of the people_" (--"when I realised this, I naturally became a thorough revolutionist"--).
Page 33
Wagner was never better inspired than towards the end.
Page 34
{~HORIZONTAL ELLIPSIS~} Bayreuth is another word for a Hydro.
Page 35
All he did was to accelerate the fall,--though we are quite prepared to admit that he did it in a way which makes one recoil with horror from this almost instantaneous decline.
Page 36
He has the melancholy of impotence.
Page 39
{~HORIZONTAL ELLIPSIS~} But all of us, though we do not know it, involuntarily have values, words, formulae, and morals in our bodies, which are quite _antagonistic_ in their origin--regarded from a physiological standpoint, we are _false_.
Page 41
--Wagner is one who has suffered much--and this elevates him above other musicians.
Page 43
Gradually one loses one's footing and one ultimately abandons oneself to the mercy or fury of the elements: one has to swim.
Page 51
The oftener a psychologist--a born, an unavoidable psychologist and soul-diviner--turns his attention to the more select cases and individuals, the greater becomes his danger of being suffocated by sympathy: he needs greater hardness and cheerfulness than any other man.
Page 59
--As it happens, I have misled the reader, the passage does not concern Wagner at all.