Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen

By Friedrich Nietzsche

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uns der Tag, wo nicht Ein Mal getanzt wurde! Und
falsch heisse uns jede Wahrheit, bei der es nicht Ein Gelächter gab!


24.

Euer Eheschliessen: seht zu, dass es nicht ein schlechtes _Schliessen_
sei! Ihr schlosset zu schnell: so _folgt_ daraus - Ehebrechen!

Und besser noch Ehebrechen als Ehe-biegen, Ehelügen! - So sprach mir
ein Weib: "wohl brach ich die Ehe, aber zuerst brach die Ehe - mich!"

Schlimm-Gepaarte fand ich immer als die schlimmsten Rachsüchtigen: sie
lassen es aller Welt entgelten, dass sie nicht mehr einzeln laufen.

Desswillen will ich, dass Redliche zu einander reden: "wir lieben
uns: lasst uns _zusehn_, dass wir uns lieb behalten! Oder soll unser
Versprechen ein Versehen sein?"

- "Gebt uns eine Frist und kleine Ehe, dass wir zusehn, ob wir zur
grossen Ehe taugen! Es ist ein grosses Ding, immer zu Zwein sein!"

Also rathe ich allen Redlichen; und was wäre denn meine Liebe zum
Übermenschen und zu Allem, was kommen soll, wenn ich anders riethe und
redete!

Nicht nur fort euch zu pflanzen, sondern _hinauf_ - dazu, oh meine
Brüder, helfe euch der Garten der Ehe!


25.

Wer über alte Ursprünge weise wurde, siehe, der wird zuletzt nach
Quellen der Zukunft suchen und nach neuen Ursprüngen. -

Oh meine Brüder, es ist nicht über lange, da werden _neue_Völker_
entspringen und neue Quellen hinab in neue Tiefen rauschen.

Das Erdbeben nämlich - das verschüttet viel Brunnen, das schafft viel
Verschmachten: das hebt auch innre Kräfte und Heimlichkeiten an's
Licht.

Das Erdbeben macht neue Quellen offenbar. Im Erdbeben alter Völker
brechen neue Quellen aus.

Und wer da ruft: "Siehe hier ein Brunnen für viele Durstige, Ein Herz
für viele Sehnsüchtige, Ein Wille für viele Werkzeuge": - um den
sammelt sich ein _Volk_, das ist: viel Versuchende.

Wer befehlen kann, wer gehorchen muss - Das wird da versucht! Ach,
mit welch langem Suchen und Rathen und Missrathen und Lernen und
Neu-Versuchen!

Die Menschen-Gesellschaft: die ist ein Versuch, so lehre ich's, - ein
langes Suchen: sie sucht aber den Befehlenden! -

- ein Versuch, oh meine Brüder! Und _kein_ "Vertrag"! Zerbrecht,
zerbrecht mir solch Wort der Weich-Herzen und Halb- und Halben!


26.

Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die grösste Gefahr aller
Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten? -

- als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen: "wir wissen schon,
was gut ist und gerecht, wir haben es auch; wehe Denen, die hier noch
suchen!" -

Und was für Schaden auch die Bösen thun mögen: der Schaden der Guten
ist der schädlichste Schaden!

Und was für Schaden auch die Welt-Verleumder thun mögen: der Schaden
der Guten ist der schädlichste Schaden.

Oh meine Brüder, den Guten und Gerechten sah Einer

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Text Comparison with We Philologists Complete Works of Friedrich Nietzsche, Volume 8

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He does not know whether he is fitted to investigate into them; 3.
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But that is exactly the case of the cask of the Danae .
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How then if these were to be frankly recognised as prejudices? Would not philology be superfluous if we reckoned up the interests of a position in life or the earning of a livelihood? What if the truth were told about antiquity, and its qualifications for training people to live in the present? In order that the questions set forth above may be answered let us consider the training of the philologist, his genesis: he no longer comes into being where these interests are lacking.
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29 It is difficult to justify the preference for antiquity since it has arisen from prejudices: 1.
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But the old German gods were feared.
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This action of his, however, was not fully understood; for an aggressive, active element, such as was manifested by the poet-philologists of the Renaissance, was not developed.
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In addition to this, the Greeks have created the greatest number of individuals, and thus they give us so much insight into men,--a Greek cook is more of a cook than any other.
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his fault lies in the fact that he either does not understand antiquity, or the present time, or himself.
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The utility of classical education is completely used up, whilst, for example, the history of Christianity still shows its power.
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The poetic element: a bad expectation.
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Want of judgment in their methods of instruction, _e.
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95 Bergk's "History of Literature": Not a spark of Greek fire or Greek sense.
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The Greeks believed in a racial distinction.
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159 Philosophic heads must occupy themselves one day with the collective account of antiquity and make up its balance-sheet.
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Finally, that we would much rather live in the present age than in any other is due to science, and certainly no other race in the history of mankind has had such a wide choice of noble enjoyments as ours--even if our race has not the palate and stomach to experience a great deal of joy.
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as may now be perceived.
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The non-popular element in the new culture of the Renaissance: a frightful fact! 171 The worship of classical antiquity, as it was to be seen in Italy, may be interpreted as the only earnest, disinterested, and fecund worship which has yet fallen to the lot of antiquity.
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175 The advancement of science at the expense of man is one of the most pernicious things in the world.
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To feel "historically" or "just" towards what is already past, is only possible when we have risen above it.
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189 The denial of life is no longer an easy matter: a man may become a hermit or a monk--and what is thereby.